43. Österreichischer Chirurgenkongress
Österreichische Gesellschaft für Chirurgie und assoziierte Fachgesellschaften

30. Mai - 1. Juni 2002
Wien, Österreich

 

Leitthema:

Interdisziplinäres Management

Kongresspräsident:

Univ.Prof.Dr.Rudolf SCHIESSEL

Kongresssekretär:

Univ.Doz.Dr.Gerald ZÖCH

 

PDF-Versionen der Berichte
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Nachlese 43. Kongress

Schlusswort des Präsidenten

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Der Chirurgenkongress 2002 fand vom 29.5. - 1.6.2002 im neuen Kongresszentrum Wien-Vösendorf statt. Mit 1300 Teilnehmern war die Veranstaltung gut besucht. Die räumlichen Bedingungen waren für einen Kongress dieser Größenordnung hervorragend, da das Ausstellungszentrum und die Vortragssäle funktionell optimal angeordnet sind und die Wegstrecken zwischen den Vorträgen sehr kurz waren. Mit 540 Präsentationen wurde ein umfangreiches Programm angeboten, für die Symposien und State of the art-Vorträge konnten zahlreiche international renommierte Referenten gewonnen werden. Die Redezeit bei den freien Vorträgen betrug einheitlich 10 Minuten, mit 2 Minuten Diskussionszeit. Die Qualität der Poster war ausgezeichnet, jeder Poster wurde in Gruppen mit einem Vorsitzenden diskutiert. Insgesamt wurden 156 Poster präsentiert. Großen Anklang fanden der Fortbildungskurs für Proktologie und die Tipps und Tricks von den Experten. Im Video-Learning-Corner wurden ausgezeichnete Filme über Standardtechniken gezeigt. Das Pflegesymposium hatte ein ambitioniertes Programm, allerdings mit mäßigem Besuch.

Mit dem Leitthema "Interdisziplinäres Management" war die Zielsetzung die Vernetzung des Wissens verschiedener Fachrichtungen darzustellen. Es ist dem wissenschaftlichen Beirat gelungen, ein Programm zu gestalten, das die Kooperation von diagnostischen und operativen Fächern, konservativen und chirurgischen Fächern aber auch von chirurgischen Disziplinen untereinander gezeigt hat. Besondere Schwerpunkte des wissenschaftlichen Programms waren der gastroösophageale Reflux, die moderne Schilddrüsenchirurgie, neue Strategien beim Mamma- und Colorektalcarcinoms, Möglichkeiten und Grenzen der minimal-invasiven Chirurgie, das rupturierende Aortenaneurysma, die Zusammenarbeit von Gefäßchirurgen und Orthopäden bei Extremitätenamputationen, die Mehrfachmissbildung in der Kinderchirurgie, die Strategie beim Pneumothorax, die interdisziplinäre Behandlung von Weichteildefekten, Handinfektionen und die moderne Wundbehandlung.

SYMPOSIEN

Soll man Narbenhernien laparoskopisch operieren?
Bericht von M.Kux

In seinem Überblick über die Prinzipien der Narbenbruch-Reparation stellte Professor Schumpelick die Frage, was das Ziel der Narbenbruchchirurgie sei: Ist es die Wiederherstellung ursprünglicher anatomischer Verhältnisse mit Approximation der nach lateral entwichenen Rectus-Muskulatur in der Mittellinie oder genügt es einfach, den Darmvorfall durch Vorschaltung einer "Tapete" zu verhindern? Schumpelick und der nachfolgende Redner OA Dr.Christian Hollinsky meinten, dass die nach lateral entwichene Rectus-Muskulatur mittels offener Chirurgie und prothetischer Verstärkung wieder in ihre ursprüngliche Position zurückgebracht werden sollte. Dies ist meistens nur unter einer gewissen Spannung möglich. Allerdings ist die Bauchdeckenmuskulatur eben natürlicherweise mit dem Thorax, der Wirbelsäule und den Extremitäten "verspannt", wodurch die spezifischen Leistungen dieses Systems erst ermöglicht werden: Atmung, aufrechter Gang, schwere Arbeit mit Koordination der gesamten Körpermuskulatur. Insofern ist auch das Prinzip der "spannungsfreien Reparation" für die Narbenhernien auch keineswegs ein anzustrebendes Ziel. Hollinsky meinte, dass die Tendenz der Rectus-Muskulatur sich nach der Seite zu retrahieren, durch die "spannungsfreie", laparoskopische Technik nicht aufgehalten werde. Die ursprüngliche Pathologie könnte sich sogar nach dieser Operation weiter verstärken.

Die Problematik der Narbenbruch-Chirurgie wurde in dem nächsten Referat von W.Yeganefar deutlich: Mit verschiedenen offenen Techniken kam es zu sehr hohen Rezidivraten. In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass nur durch sehr genaue Nachuntersuchungen wie die von Yeganefar und Mitarbeitern, das Problembewusstsein für die Narbenbrüche gestärkt werden kann. In einem Übersichtsreferat über den derzeitigen Stand der laparoskopischen Narbenbruchchirurgie zeigte Primarius M.Scheyer, dass in spezialisierten Zentren ausgezeichnete Ergebnisse mit dieser Technik erzielt werden. Natürlich ergab sich im Anschluss daran die Frage, wieweit diese Ergebnisse auch von Nicht-Spezialisten erzielt werden können; also die Frage ob die "efficiency" der Methode (in persönlichen Serien erzielt) auch in "effectiveness", also allgemeine Reproduzierbarkeit, übertragen werden kann. Diese und andere Fragen der "Evidence based medicine" zur Narbenbruch-Chirurgie wurden von dem Schluß-Redner Prof.E.Neugebauer (Köln) behandelt. Es zeigte sich, dass es derzeit sehr wenig harte wissenschaftliche Fakten gibt, um mit Sicherheit ein Verfahren gegenüber anderen vorzuziehen. Insgesamt scheint der Einsatz von Prothesen bessere Ergebnisse zu haben. Die laparoskopische "spannungsfreie" Technik kann aber derzeit nicht allgemein empfohlen werden und sollte nur unter sehr exakten Studienbedingungen weiter verfolgt werden.

Vermeidung und Behandlung von Komplikationen der laparoskopischen Cholecystektomie
Bericht von W.Wayand

Die laparoskopische Cholecystektomie hat in Mitteleuropa eine flächendeckende Verbreitung gefunden, ca. 70 % aller Gallenblasenoperationen werden auf diesem Wege durchgeführt. Die laparoskopischen Cholecystektomien machen wiederum ca. 70 % aller minimal invasiven Eingriffe aus.

Der erste Beitrag beschäftigte sich mit der Gallengangsdiagnostik:

"Gallengangsdiagnostik mittels bildgebender Verfahren"
Shamiyeh A., Lindner E., Schrenk P., Zauner E., Sulzbacher H., Danis J., Wacha M., Grasl B., Wayand W.

Zur Diagnose und Therapie von Steinen im Choledochus hat sich in Mitteleuropa das "therapeutische Splitting" (ERCP und anschließende laparoskopische Cholecystektomie) durchgesetzt. Dieser Strategie wird der Vorwurf gemacht, dass ein Teil der durchgeführten ERCP's bei (retrospektiv) unauffälligem Gangsystem überflüssig wäre. Der Vortragende konnte darstellen, dass durch die Einführung der MRCP diese Quote verringert werden konnte. Die Bildinterpretation durch einen erfahrenen Radiologen ist so aussagekräftig, dass die ERCP nur mehr in therapeutischer, jedoch nicht mehr aus diagnostischer Indikation durchgeführt werden muss.

Ein weiterer Beitrag analysierte die Ursachen der Umstiege bei 3.981 laparoskopischen Cholecystektomien:

"Analyse der Umstiege bei 3.981 laparoskopischen Cholecystektomien"
Wacha M., Huemer G., Shamiyeh A., Wayand W.

Die Ursachen für die Umstiege (schwere Entzündungsstadien der Gallenblase, Verwachsungen, technische Probleme u.a.) werden analysiert. In Übereinstimmung mit der Literatur ist bei prinzipiellem laparoskopischem Vorgehen, unabhängig von dem klinisch erhebbaren Lokalbefund, mit hoher Umstiegsrate zu rechnen. Es ist daher nach Meinung der Autoren bei schweren septischen Befunden, ungünstigen Bedingungen (nächtliche Notoperation) etc. eine prinzipielle Bereitschaft zum offenen Vorgehen im Sinne der Sicherheit für den Patienten zu fordern.

Der nächste Beitrag beschäftigte sich mit der Lagerung des Patienten und der Platzierung:

"Trokarplazierung, Dissektion im Calot'schen Dreieck"
Rieger R., Lausecker J.

Die gewöhnliche Rückenlage,  Position des Chirurgen auf der linken Patientenseite finden mehrheitlich in Österreich Anwendung. Die Platzierung der Trokare (supraumbilical Kamera, epigastrisch knapp rechts paramedian, 5mm Ports rechts lateral ermöglicht eine optimale Exposition des Calot'schen Dreiecks durch Zug des Gallenblasenfundus nach cranial und des Gallenblaseninfundibulums nach rechts. (Bei möglicher Konversion zum offenen Vorgehen können zwei Incisionen in den Rippenbogenrandschnitt einbezogen werden, der 5mm Port kann durch Drainage verwendet werden, als additives Trauma bleibt für den Patienten der umbilicale 1,5mm Zugang übrig).

"Die intraoperative Cholangiographie und laparoskopische Maßnahmen am Choledochus"
Szinicz G., Beller S., Rechner J.

Die Autoren beschreiben die operative Strategie eines prinzipiellen laparoskopischen Vorgehens bei jeder Cholecystektomie sowie eine principe durchgeführte Cholangiographie mit im Bedarfsfall ebenfalls laparoskopisch durchgeführter Choledochussanierung. Dieses strategische Konzept wurde bei über 200 laparoskopischen Choledochusrevisionen erfolgreich in Anwendung gebracht. Die ERCP kommt nur in Einzelfällen zur Anwendung.

Die Arbeit

"Endoskopische Diagnostik und Therapie postoperativ aufgetretener, biliärer Probleme"
Manegold B.C.

beschäftigt sich mit endoskopischer Diagnostik und Therapie bei 156 Patienten, die nach einer laparoskopischen Cholecystektomie einer ERCP zugeführt wurden. Nur bei 5 Patienten war die ERCP technisch nicht möglich. In 70 % ergab sich ein pathologischer Befund, der in 75 % einer endoskopischen Therapie zugänglich war: 94,4 % der Steine, alle Leckagen mit Konkrementen, 87,5 % der Biliome und 80 % der benignen Papillenstenosen wurden durch endoskopische Sphinkterotomie, Ballondurchzug eventuell mit nasobiliärer Sonde behandelt. 6 Patienten mit Gallengangsstenosen wurden durch Dauerstenting und/oder Dilatation versorgt. Beim Auftreten von Problemen nach laparoskopischer Cholecystektomie ist die ERCP im diagnostisch therapeutischen Repertoire die wesentlichste Untersuchung.

Der nächste Beitrag betrifft

"Rechtliche Aspekte unter Berücksichtigung höchstgerichtlicher Urteile zum Thema laparoskopischer Cholecystektomie"
Shamiyeh P.

Aus der Analyse der in der Judikatur im Zusammenhang mit laparoskopischer Cholecystektomie aufscheinender Urteile lassen sich folgende Schlüsse ziehen:

Aus der Tatsache einer im Zuge der Operation zugefügten Organverletzung haben die Gerichte zutreffend noch nicht automatisch auf eine Pflichtverletzung des Operateurs geschlossen. In den präsentierten Fällen, in welchen der Klage stattgegeben wurde, war dafür meist ausschlaggebend, das entweder nicht genügend sorgfältig präpariert/identifiziert und/oder nicht oder nicht rechtzeitig zur offenen Methode übergewechselt wurde. Aus den Entscheidungsbegründungen geht außerdem hervor, dass der Patient über die mit einer laparoskopischen Operation verbundenen typischen Risiken von einiger Erheblichkeit sowie regelmäßig über die Alternative der offenen Methode und die Vor- und Nachteile der beiden Behandlungsmöglichkeiten informiert werden muss, widrigenfalls den Arzt die Beweislast dafür trifft, dass der Patient auch bei ausreichender Aufklärung der Operation zugestimmt hätte.

Akute nekrotisierende Pankreatitis
Bericht von R.Roka

Die Sitzungen Nr.29 und 36 zählten zu den am besten besuchten wissenschaftlichen Sitzungen.

Der erste Teil wurde begonnen mit dem  ausgezeichneten Referat von H.G.Beger aus Ulm mit dem Titel "Evidence based therapy - Erkenntnisse aus den letzten 10 Jahren". In seinem Vortrag beschrieb Beger wie sich das derzeitige Therapiekonzept - an dem er maßgeblich mitbeteiligt war - entwickelt hat.

T.Sautner befasste sich mit dem Thema "Prädiktive Faktoren und Prognoseparameter" und betonte einmal mehr die Bedeutung potenter Prognosescors.

Die Senkung der Letalität in den letzten beiden Dezennien geht wohl in erster Linie auf die intensivmedizinischen Leistungen zurück, was H.Bartels in eindrucksvoller Weise belegen konnte.

Ein neuerer und sehr wesentlicher Aspekt mit großer therapeutischer Relevanz ist der intraabdominelle Druck wie einer der Vorsitzenden des 2.Teiles, P.Sporn, anhand eigener Untersuchungen feststellte.

Generell akzeptiert ist die Bedeutung der Infektion für die Operationsindikation - stellvertretend für M.Büchler präsentierte Uhl die Berner - Heidelberger Erfahrungen. In dem Referat "Stellenwert minimal invasiver Verfahren" demonstrierte S.W. Imrie aus Glasgow seine Technik in einer kurzen Videodemonstration und seine Ergebnisse. Vorteile gegenüber dem konventionellen Vorgehen lassen sich begreiflicherweise schwer belegen.

In seinem Referat über die Langzeitergebnisse zeigte St.Kriwanek die hohe Rate rehabilitierter und wieder in das Berufsleben integrierter Patienten.  

Extremitätenerhaltung um jeden Preis
Bericht von W.Simma

Um zu vermeiden, daß bei den Sitzungen der assoziierten Fachgesellschaften nicht nur, wie üblich, die Vertreter der Fachbereiche unter sich sind und sich gegenseitig Bekanntes berichten, wurde beim diesjährigen 43.Österreichischen Chirurgenkongress getreu dem Hauptthema:Interdisziplinäres Management der Versuch unternommen, Fachbereiche mit ähnlichen Zielen zusammen zu bringen.

Dies gelang vortrefflich bei der gemeinsamen Sitzung der Orthopädie und Gefäßchirurgie, die sich das provokante Thema: Extremitätenerhaltung um jeden Preis? gewählt haben. Aus allen gefäßchirurgischen Vorträgen geht hervor, daß letztlich jeder Versuch der Extremitätenerhaltung gerechtfertigt ist. Ausgefeilte diagnostische Maßnahmen müssen eingesetzt werden, irgendwo einen peripheren Anschluß zu finden. Schließlich wird bei einem "leeren" Angiogramm die Probefreilegung der pedalen Gefäße empfohlen.  Wenn es nicht mehr möglich ist, eine Amputation zu vermeiden, sind aufwendige Gefäßrekonstruktionen gerechtfertigt, um die Amputationsebene so weit peripher wie möglich zu verlegen und eine Majoramputation zu vermeiden. Patienten mit einer diabetischen Gangrän sind alle routinemäßig einer angiografischen Abklärung zu unterziehen. Gerade bei Diabetikern häufig notwendig werdende Trans Metatarsale Amputationen erfordern bei Unkenntnis des Gefäßstatus angesichts der nicht abheilenden Wunden Nachamputationen und langwierige Nachbehandlungen. Die Gefäßchirurgische Arbeitsgruppe der Universitätsklinik Wien konnte anhand ihres Krankengutes zeigen, daß bei vielen Patienten mit diabetischer Gangrän eine angiopathisch dominierte Ursache zugrunde liegt und mittels eines inframalleolären Bypass eine Majoramputation vermieden bzw.eine primäre Abheilung des Amputationsstumpfes nach TMA erzielt werden kann. Die Gefäßchirurgische Arbeitsgruppe aus Salzburg berichtete über ähnliche Erfolge nach femoro-cruralen bzw.femoro-pedalen Rekonstruktionen, wobei es gelang, die primäre Amputationsrate drastisch zu senken. Es wurden zwei Zeiträume verglichen, nämlich 1990 - 1994 mit 7 0 cruralen und 2 pedalen Bypasses und der Zeitraum 1996 - 2000 mit 275 cruralen und 125 pedalen Rekonstruktionen.Die primäre Amputationsrate verringerte sich von 59%(erster Zeitraum) auf 29%(zweiter Zeitraum). Die Ulmer Arbeitsgruppe (Sunder-Plassmann) konnte anhand einer retrospektiven Studie zeigen, daß eine Majoramputation, die für viele Patienten mit arterieller Verschlußkrankheit den Endpunkt ihrer Erkrankung bedeutet, mit einer hohen Mortalität belastet ist: 23% innerhalb der ersten 30 Tage.Drei Jahre nach der Amputation sind über 50% verstorben. Es wird erwogen,ob nicht trotz Nebenerkrankungen oder hohem Lebensalter eine aufwendige Gefäßrekonstruktion gerechtfertigt wäre Diesbezüglich zeigt die Erfahrung,daß selbst ausgedehnte,komplizierte Gefäßoperationen mit einer geringeren Mortalität belastet sind als Amputationen,weshalb die Forderung nach Extremitätenerhaltung um jeden Preis gerechtfertigt erscheint. Verglichen mit Gefäßkranken ist die diabetische Gangrän mit weit höheren Amputationsraten behaftet (30fach höheres Risiko).In diesem Zusammenhang stellt die von der Grazer Gefäßchirurgie  vorgestellte  osteoplastischen Rückoperation nach PIROGOFF eine interessante Alternative dar.So konnte mit dieser Operation bei 7 Patienten ein belastungsfähiger stabiler Fersenstumpf erzielt werden,wobei in 4 Fällen die Zuweisung zur primären Oberschenkel- oder Unterschenkelamputation erfolgte. Die Tatsache.daß Amputationen heute zu über 50% wegen diabetischen Problemen,etwa 25% wegen einer PAVK und nur ein Viertel aus traumatischen Ursachen notwendig werden,zeigt,daß es sich bei den meisten Betroffenen um ältere und kränkliche Menschen handelt.Gerade hier ist eine Sofortmobilisation von enormer Bedeutung.Dazu wurde von der Arbeitsgruppe Stolzalpe eine Pr othese mit aufblasbaren Luftpolstern im Schaftbereich vorgestellt,um so einen möglichst paßgenauen Schaft zu erreichen. Erste Erfolge konnten anhand von 41 Patienten berichtet werden. Aus Bad Häring,wo jä ;hrlich etwa 80 geriatrische Patienten prothetisch versorgt werden,wurde eine klare Methodik hinsichtlich Indikationsstellung berichtet,wobei 4 Punkte als besonders bemerkenswert angeführt werden: 1.Belastbarkeit des Patienten im Rehabilitationsprozeß 2.Zusätzliche Belastung durch die Steuerung der Prothese 3.Selbständigkeit im Umgang mit der Prothese 4.Zusätzliche und ersatzweise Versorgung mit Rollstuhl und Gehhilfen. mit dem Resumee,daß eine prothetische Versorgung nicht selbstverständlich ist.

In der Diskussion,die mit lebhafter Begeisterung geführt wurde,zeigte sich doch global gerade im Hinblick auf die Amputationsebenen,daß zwischen den Gefäßchirurgen und Orthopäden doch wesentlich verschiedene Auffassungen bestehen.Haben es die Orthopäden mit relativ gefäßgesunden Patienten zu tun,handelt es sich beim gefäßchirurgischen Krankengut doch um gewissermaßen "ausoperierte"Angiopathen,bei denen die Amputation letztlich die "ultima ratio" darstellt.In den wenigsten Fällen ist es möglich die von den Orthopäden vorgeschlagenen klassischen Amputationstechniken,wie beispielsweise die Knie-Exartikulation,anzuwenden,die natürlich hinsichtlich prothetischer Versorgung natürlich wesentlich vorteilhafter wären. Das seitens der Orthopädie geforderte sofort im Anschluß an die Amputation zu beginnende Training wird von den Gefäßchirurgen als wünschenswert,aber angesichts der vielfach bestehenden grenzwertigen lokalen Durchblutungsverhältnissen,die eine glatte Wundheilung verzögert,manchmal Nachamputationen erforderlich machen,für die meisten Betroffenen als unmöglich bezeichnet.Hier könnte die sogenannte Airlimb- Kurzprothese (Stolzalpe) segensreich sein. Das Resumee dieser Sitzung wurde von allen Beteiligten als äußerst zufriedenstellend bezeichnet.Letztendlich konnten gerade wir Gefäßchirurgen vieles von unseren orthopädichen Kollegen lernen und wir hoffen,auch umgekehrt.Es wurden Ansätze zu einer intensiveren Zusammenarbeit beider Fachgruppen gefunden,die ja in manchen Zentren schon realisiert wurde, .Der Wunsch nach analogen Sitzungen wurde geäußert.  

Interdisziplinäres Management beim rupturierten infrarenalen Aortenaneurysma
Bericht von G.Kretschmer

In der Therapie des infrarenalen Aortenaneurysma (AAA) gilt der Ersatz des erweiterten Aortensegmentes durch alloplastischen Ersatz als das Standardverfahren. Die Operationsindikation ist eine prophylaktische, die das Ziel verfolgt die Ruptur und damit die Verblutung des Patienten zu verhindern.

Seit 1995 kann das wenig invasive - weil endoluminale - Stent Graft Verfahren in unserem Lande geübt werden, so dass es möglich ist, die Eingriffsmortalität beim Elektiveingriff zu reduzieren, indem man das endoluminale Verfahren für Patienten reserviert, denen die offene Operation nicht oder nur mit Risiko zugemutet werden kann. Derzeit liegt die Eingriffsmortalität in unseren Händen knapp unter 3 %.

Im scharfen Gegensatz dazu lag in den Jahren 1980 - 2000 die Mortalität bei der notfallmäßigen Behandlung des rupturierten AAA (RAAA) bei 208 Patienten mit einem medianen Lebensalter von 72,6 Jahren bei 45 %. Herr Teufelsbauer hat basierend auf einer Analyse des eigenen Krankengutes auf dieser Tatsache einleitend hingewiesen.

Obwohl zweifellos Fortschritte in der Transportlogistik und in der postoperativen Intensivbehandlung, einschließlich Beatmung, Bluttransfusion und Gerinnungstherapie, sowie Nierenersatztherapie erreicht worden sind, konnten auch Herr Fitzgerald und Frau Schwarz aus intensivmedizinischer Sicht über keine Verbesserungen der Ergebnisse berichten.

Da Verbesserungen in der Behandlung von RAAA wünschenswert erscheinen, ist es daher gerechtfertigt Änderungen der Behandlungsstrategie zu diskutieren.

Herr Imig, Hamburg und Herr Lachat, Zürich, haben über ihre Resultate mit der notfallmäßigen Versorgung von RAAA mit Hilfe der Stent Graft Methode referiert.

Herr Klocker und Herr Frädrich, Innsbruck, haben über "Therapieoptionen beim abdominellen Aortenaneurysma im Stadium der Ruptur; Ergebnisse einer multizentrischen Datenerhebung" unter Führung der Klin.Abt.f.Gefäßchirurgie der Universität Innsbruck und der Univ.Klinik f.Thorax- und Gefäßchirurgie in Ulm berichtet, Resultate, welche für den XXIII. Vascular Workshop in Zürs im heurigen Jahr erarbeitet wurden. Insgesamt wurden Daten von 725 Patienten aus den Jahren 1998 - 2001 aus 17 gefäßchirurgischen Zentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhoben. Von diesen wurden 391 konventionell offen-chirurgisch und 198 endovasculär behandelt. Die 30 Tage Mortalität in der endoluminalen Gruppe betrug 10 %, in der offen operierten Gruppe 26 %. Aufgrund der relativ niedrigen Hospitalmortalität könnte sich das endovasculäre Vorgehen als eine therapeutische Alternative oder zumindest als ein Bridging-Verfahren erweisen.

Anzumerken ist, dass Herr Lachat über die größte Serie von Patienten aus einem einzigen Zentrum berichten konnte, welche im Stadium des RAAA versorgt worden sind. Die erreichten Resultate erscheinen besser als die nach offener Operation erzielten.

An die Präsentationen schloss sich eine äußerst besonders von G.Hagmüller, Wien, geführte Diskussion über die Möglichkeiten der Stent Graft Methode in der Therapie des RAAA an, wobei Fragen der Patientenselektion, der notwendigen präoperativen Abklärung, der Ausstattung des Operationssaales bzw. der Angiographieeinheit und der Behandlung des abdominellen Kompartment-Syndroms gestellt wurden.

Neuromonitoring des N. Recurrens in der Schilddrüsenchirurgie
Bericht von G.Wolf

Eingangs wurde von G. Friedrich  ( Leiter der klin.Abtlg Phoniatrie  Graz) verdeutlicht , dass  in der Chirurgie der Schilddrüse nicht ausschließlich die „Recurrensparese“ beachtet werden muß,  da die sog. postoperative Stimmstörung ein multifaktorielles Ereignis ist. Da es keine  kausale Therapie eines Ausfalls des NLR gibt, hat  somit die Vermeidung einer Schädigung oberste Priorität.  Er zeigte  phonochirurgisch sehr eindrucksvolle Behandlungsergebnisse nach Recurrensläsion , sie sind jedoch lediglich symptomatische Behandlungen. Die kontinuierliche  Senkung der spezifischen Komplikationsrate an Stimmstörungen ist vordringlich und  Aufgabe der spezialisierten Zentren wie auch der Krankenhäuser der Regelversorgung .  M Hermann (Wien)  stellte die technischen Möglichkeiten des „Neuromonitoring“  in einer Videosequenz vor und berichtet seine Erfahrungen anhand einer prospektiven Studie  an 301 „nerves at risk“  . Dabei fand sich  in 263 Fällen eine gute Korrelation zwischen intraoperativem Stimulationsbefund und postoperativer Stimmbandfunktion, aber in 2 Fäl len  trotz  fehlendem EMG- Signal anschließend   normale Stimmfunktion. 9 Fälle zeigten intraoperativ eine normale Stimulation, trotzdem postoperative eine Recurrensparese. Dies spricht für eigene Schädigungsmechanismen in der postoperativen Phase unabhängig vom Operationstrauma und hat seine klinische Entsprechung in der sog. spätpostoperativen Stimmlähmung. Trotz seiner großen Erfahrung meint Hermann, dass die Methode  noch keinen sicheren Nachweis einer erhaltenen Stimmfunktion darstellt und somit nur im Einzelfall behilflich sein kann. Kerstin Lorenz ( Halle/Saale)  stellte eine Studie an 29 Kliniken  mit über 8000 Anwendungen vor. An diesen Zentren kam es zu einer Reduktion der Anzahl von Rec urrensparesen , sie lässt jedoch die Frage offen, ob dies dem Einsatz der Methode zu verdanken ist. G.Wolf (Graz) stellte klar, dass in der rezenten  Literatur Recurrenspareseraten ohne NM von 0,1-2,5% , bei allen Indikationen , mit regelmäßiger Recurrendarstellung erzielt wurden, dies ist eine deutliche Verbesserung der Ergebnisse  in den letzten Jahren und verdeutlicht die erfolgte Spezialisierung und Fokussierung auf die Recurrenssschonung. Die Daten mit Verwendung des Neuromonitoring sind ähnlich dazu, somit scheint erklärbar, dass die scheinbare Verbesserung der Raten an NLR-Paresen lediglich auf die erhöhte Spezialisierung und nicht auch den Einsatz des NM zurückzuführen ist. Aufgrund dessen darf die Methode nicht als forensische Hilfestellung oder zur Dokumentation   vermeintlich erhöhter  Sicherheit  angeboten werden. In der anschließenden Diskussion und einer Umfrage unter Schilddrüsenchirurgen zeigte sich, dass die Methode vereinzelt in Österreich angewandt wird,  dass unter den Geübten keine Verbesserung der OP-Ergebnisse erzielt  wurde und dass sie lediglich im Einzelfall beim komplizierten Fall behilflich sein kan n.

In der anschließenden Sitzung mit freien Vorträgen zum Thema stellt  M. Lemmerer (Graz)  5 seltene Fälle mit präoperativer Recurrensparese bei benignen  Erkrankungen und deren Management vor. Th. Meyer ( Würzburg) wendet die Methode des NM in der Identifikation des N. Laryngeus Superior an und zeigt anhand von 157 Fällen den variablen Verlauf dieses Nerven und empfiehlt das NM zur Identifikation , da in seinen Ergebnissen keine Parese des NLS aufgetreten ist. Weigert und Kienast ( Halle)  aus 2 verschiedenen Kliniken  zeigen  eine deutliche Senkung des Morbititätsrisikos und empfehlen das NM routinemäßig bei allen Eingriffen. J.Jonas ( Karlsruhe) stellt  die mögliche Fehlerquelle dar: Das EMG kann durch die Gabe von Mivacurium über eine unerwartet lange Dauer beinträchtig sein. Damit sind die Ergebnisse  der Signalauslöschung stark verfälscht.  Prommegger (Innsbruck)  konnte am deutlichsten den sinnvollen Einsatz des NM darstellen: In der Ausbildungssituation  an 100 „nerves at risk“ kürzt das NM die Lernkurve deutlich ab, indem es  den Vorgang der chirurgischen  Identifikation  ( „Sichtschonung“) erleichtert und sicherer macht. Als Resümee,  nach ausführlicher Diskussion, soll diese Tatsache als Hauptindikation übrigbleiben .  

Moderne Konzepte der Wundbehandlung
Bericht von G.Zöch

Schwerpunkt der Sitzung war eine Ergänzung etablierter Methoden mit neuen Konzepten und Techniken.

Zunächst zeigten R. de Roche, N. Lüscher und J. Mäder , Gäste aus der Schweiz neue Behandlungstrategien für Dekubitalulzera bei Querschnittgelähmten. Die Autoren stellten den Wert einer große persönliche Erfahrung bei der Auswahl der Therapieverfahren in den Vordergrund und machten auch den Erfolg der Behandlung davon abhängig. Kritisch wurden die einzelnen Lappenplastiken hinsichtlich ihrer Verwendbarkeit bei Querschnittgelähmten analysiert. Bei diesem ausgewählten Patienten gelten aufgrund der fehlenden Inervation der Gewebeteile andere Grundvoraussetzungen für die stabile Wundheilung. Ein weiterer Gesichtspunkt bei der Lappenwahl ist es auch ein wahrscheinliches Rezidiv miteinzuplanen. Das bedeutet, dass bei der Erstoperation bereits große Lappen aufgehoben werden sollen, um diese im Bedarfsfall neuerlich verwenden zu können.

Ein weiter Beitrag kam aus Frankfurt am Main. Peek A  und Holle G., zeigten  neue Indikationen der bereits bestens etablierten VAC-Therapie zur Wundkonditionierung. Die Vakuumtherapie ist fähig, bei Fällen von „limb salvages“ durch Revaskularisation nach langdauernder Ischämie von Gliedmaßen, einer Myoglobinämie durch Muskelschädigung mit der Gefahr des Nervenversagens entgegenzuwirken. Eine weitere neue Indikation ist der Einsatz der Vakuumtherapie bei der Präfabrikation von Lappen. Bei komplexen Rekonstruktionen ist es durch vorangehende Formung des Gewebes leichter und mit größere Sicherheit möglich mikrochirurgische Eingriffe durchzuführen.

Der dritte Beitrag diese Symposiums war der Dokumentation von Wunden gewidmet.

Wild T., Sahora K. und Hölzenbein T., von der Klinischen Abteilung für Allgemeinchirurgie der Universitätsklinik für Chirurgie in Wien, fanden, dass der derzeitige Stand der Wunddiagnostik und Wundanalyse nicht akzeptabel sei. Ein objektives Wundanalyse- und Dokumentationssystem ist unerlässlich. Nur durch objektive Quantifizierung sei eine Standardisierung in der Wunddiagnostik und in der Wundtherapie realisierbar. Als Hilfsmittel dazu stellen sie eine digitale Bildbearbeitung und -analyse vor. Dieses System: Wound Healing Analysing Tool (WHAT) bietet einen neuen Ansatz auf den bis jetzt noch wenig erschlossenem Gebiet der digitalen Analyse zur Verlaufskontrolle normaler und pathologischer Wundheilung.

Großes Interesse fand der innovative Vortrag:  Keratinozyten – „Haut aus der Tube“ von R.E. Horch aus Freiburg, Deutschland.

Er berichtet, dass in Deutschland etwa 2-3 Mio. Menschen an chronischen Wunden unterschiedlicher Ätiologie leiden. Die Behandlung und Heilung dieser Patienten sei mit konventionellen Methoden oft nur unzureichend oder oft überhaupt nicht möglich. Am Universitätsklinikum Freiburg, Deutschland, ist es in der Abteilung für Plastische- und Handchirurgie gelungen, zusammen mit BioTussue Technologies AG ein neues Verfahren zur Behandlung chronischer Wunden und schwerster Brandverletzungen zu entwickeln. In hochmodernen Reinstraum-Laboratorien werden unter GMP-Standards innerhalb von 14 - 18 Tagen autologe Keratinozyten gezüchtet. Ausgangsmaterial dazu ist eine kleine Vollhautbiopsie (etwa 1,5 cm²) des Patienten, die ambulant unter Lokalanästhesie entnommen wird. Im Laboratorium in Freiburg wird diese Hautprobe gereinigt und für die Züchtung im Labor aufbereitet. Nach etwa 18 Tagen sind genug neue Zellen entstanden, um eine Fläche von mehr als 100 cm² abdecken zu können. Suspendiert in einer proliferationsfördernden Fibrinmatrix werden die subkonfluenten, nicht differenzierten Keratinozyten in einer Dichte von etwa 4 x10 Zellen/ml in eine Doppelkammerspritze aufgezogen: BioSeed-S. Ein Kurierservice liefert termingerecht die individuellen Transplantate an den behandelnden Arzt. Nach vorangegangenem chirurgischen Debridement der Wunde kann BioSeed-S mit sehr einfachem Handling ambulant auf die Wundoberfläche aufgetragen werden. Die neuen körpereigenen Zellen verteilen sich in der Wunde, nach wenigen Minuten ist die Fibrinklebermatrix aufgehärtet und der Primärverband kann angelegt werden. Nach 3 - 5 Tagen erfolgt der erste Verbandwechsel. Die beginnende Epithelialisierung kann nach 10 Tagen beobachtet werden. Neu am BioSeed-S ist die Verwendung von nicht differenzierten Hautzellen, d.h., die Zellen, die sich in einem noch nicht aktiven Stadium bef inden und deren Teilungsfähigkeit vollkommen intakt ist. Das bedeutet, dass auch nach Transplantation wachsen und vermehren sich die Keratinozyten weiter. Ein weiterer großer Vorteil ist die Verwendung von körpereigenen Zellen, dadurch gibt es beim Patienten keine Abstoßungsreaktion.  

Dazu werden dem Fibrinkleber mittels tissue engineering gewonnene Keratinozyten beigemengt.

Pflegesymposium III; neue Aspekte in der Wundbehandlung
Bericht von G.Zöch

Die Prinzipien der feuchten Wundbehandlung standen im Mittelpunkt dieses Symposiums. Die chirurgische Therapie nicht heilender Wunden läßt sich in zwei, meist zeitlich weit auseinander liegende Phasen unterteilen: in die Nekrosektomie und in den Wundverschluß. Dazwischen liegt die Phase der konservativen Wundbehandlung, oder besser der Wundkonditionierung.

Moderne Konzepte der Wundbehandlung berücksichtigen die folgenden fünf Kriterien:

1. das Stadium der Wunde. Die Wundheilung durchläuft vier Stadien: die Inflammatorische-, die Resorptive-, die Proliferative- und die Reperative-Phase. Alleine die Dauer der einzelnen Phasen unterscheidet die akute von der chronischen Wunde. Sind es im ersten Fall Stunden bis Tage, so erstrecken sich die einzelnen Phasen bei chronischen Wunden über Wochen oder Monate.

2. die Sekretionsmenge.In jedem dieser Wundstadien kann die Sekretmenge erheblich variieren. Der Verband muß jeweils der Situation angepasst werden. Entsprechend den modernen Erkenntnissen der Wundheilung ist die „feuchte Wundbehandlung“ Therapie der Wahl. Es gilt daher der Grundsatz, trockene Wunden anzufeuchten und feuchte Wunden „trocken“, zu verbinden. Diese Bei allen anderen Läsionen kommen Materialien, die von der angefeuchteten Gazekompresse bis zur V.A.C- Therapie reichen, zum Einsatz.

3. Anhand des Status der Keimbesiedelung: steril-kontaminiert-kolonisiert-massiv kolloniesert-infiziert ist die Wahl für die Notwendigkeit einer Reinigung oder gegebenenfalls einer Desinfektion zu treffen. Es ist nicht indiziert jede Wunde mit Antiseptika zu behandeln.

Die Tiefenausdehnung bzw. eine vorhandene Taschenbildung entscheidet welche Wundfüller zum Einsatz kommt. Zusammen mit der Lokalisation sind diese zwei Wundkriterien aber wesentlicher Faktor in der Auswahl des geeigneten chirurgischen Verfahrens. Die modernen Konzepte der Wundkonditionierung ermöglichen weniger aufwendige Rekonstruktionsverfahren einzusetzen und auch schwer therapierbare Wunden zu verschließen.

Die Probleme bei schwierig zu versorgenden Laparostomata wurden von H.P.Stang, einem Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin der an der Anästhesiologischen Intensivstation des  Aö KH Baden arbeitet, besprochen. Er zeigte Fälle, bei denen der Schwerpunkt nicht nur auf den Effekt der V.A.C.-Wundtherapie, sondern vielmehr auf die Ermöglichung kombinierter pflegerischer und medizinisch-therapeutischer Maßnahmen gelegt wurde. Gezeigt wurden die Kombination von kinetischer Therapie und gezielter Lavage des Bauchraumes bei einem Patienten mit offenem Laparostoma und massivem Darmprolaps aufgrund einer akuten nekrotisierenden Pankreatitis. Die kinetische Therapie sollte den pulmonalen Gasaustausch verbessern und die Saugspüldrainage durch die V.A.C.-Therapie optimiert werden. Eine Therapievariante ohne die andere erschien nicht als zielführend. In tabellarischer Form wurden die Effekte der V.A.C.-Therapie und der  kinetischen  Therapie sowie auch die Auswirkung auf das Wundmanagement gegenübergestellt und diskutiert.

Die moderne Madentherapie wurde uns von einem Gast aus Deutschland vorgestellt. Doz.Fleischmann aus Bitiegheim beschäftigt sich schon seit Jahren mit innovativen Formen der Behandlung mit chronischen Wunden. Die Madentherapie ist ein neuer Ansatzpunkt, um chronische, stagnierende Wunden zum Ausheilen zu bringen. Das von den Fliegenlarven produzierte Sekret taut ausschließlich nekrotisches Gewebe an. Dieses wird entweder von den Maden selbst oder durch chirurgisches Debridement entfernt. Weiters besteht neben diesen reinigendem Effekt auch ein antimikrobieller, der zur Säuberung der infizierten bzw. kontaminierten Wunden führt.

Was bringt die Sentinellymphknotenbiopsie
Bericht von R. Jakesz

Die Sentinellymphknotenbiopsie entwickelt sich zu einem neuen Standard im Rahmen des operativen Vorgehens in der Axilla bei Patientinnen mit Mammakarzinom.

Die Markierung des Sentinellymphknotens sollte mit blauem Farbstoff und radioaktivem Kolloid erfolgen. Nach den Empfehlungen der österreichischen Studiengruppe „Sentinellymphknoten“, muss bei zumindest 50 Patientinnen die Metastasenfreiheit der Restaxilla nach Sentinellymphknotenbiopsie kontrolliert werden. Bei einer Übereinstimmung von zumindest 95 %, kann von einer ausreichenden Qualitätskontrolle ausgegangen werden, sodass in der Folge bei negativem Sentinellymphknoten auf eine routinemäßige axilläre Dissektion verzichtet werden kann.

Eine kontinuierliche Qualitätskontrolle mit studienmäßiger Erfassung von etwaigen Lymphknotenrezidive durch fortlaufendes Follow-up ist in den Zentren zu gewährleisten. Patientinnen mit Sentinellymphknotenbiopsie können auch in die Studien der ABCSG eingebracht werden. Die Verwendung von blau und radioaktivem Kolloid ergibt die höchste Detektionsrate. Die Applikation „intratumoral subcutan od. peritumoral“ dürfte für die Markierung des Sentinellymphknotens von untergeordneter Bedeutung sein.

Die Arbeitsgruppe „Sentinel node Biopsy“ der Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group hat sich zum Ziel gesetzt, die Daten aller Abteilungen, an denen Patientinnen nach dem Sentinelllymphknotenkonzept behandelt werden, EDV-mäßig im Rahmen eines Multicenterdatabaseproject zu erfassen. Derzeit sind Daten von über 1.500 Patientinnen abgespeichert. Mehrere Publikationen der Arbeitsgruppe sind in einem Themenheft von European Surgery zusammengefasst, und werden demnächst publiziert.

Die Bedeutung von Mikrometastasen ist nach wie vor unklar, Einzelzellen oder Zellgruppen im Randsinus dürften weniger klinische Bedeutung haben, als Mikrometastasen, worunter man Tumorzellaggregate von < 2 mm definiert. Die prospektive Untersuchung von Patienten, die nach dem Sentinellymphknotenkonzept operiert werden, ist zur Qualitätskontrolle im Rahmen der Arbeitsgruppe von besonderer Bedeutung.

 

EHRENMITGLIEDER

KORRESPONDIERENDES MITGLIED

In der Schlussveranstaltung wurde Herr Prof.Günter Krejs zum Ehrenmitglied ernannt. Prof.Günter Krejs hat seine Karriere in Österreich begonnen und seine Ausbildung in Zürich und Dallas fortgesetzt.  Bei John Fortran in Dallas hat er sich auf den Gebieten der Pathophysiologie des Gastrointestinaltrakts einen hervorragenden Namen gemacht und ist heute als Gastroenterologie weltweit bekannt. Er hat im Jahre 1998 den Weltkongress für Gastroenterologie nach Wien gebracht. Er hat sich besonders um eine partnerschaftliche Beziehung zur Chirurgie bemüht.

Die zweite Ehrenmitgliedschaft wurde Herrn Prof.Dr.Johannes Poigenfürst verliehen (Abb.). Er hat seine Karriere bei Lorenz-Böhler im Unfallkrankenhaus Webergasse in Wien begonnen. Er hat seine Ausbildung in Deutschland, England, Schweden und den USA erweitert und war Leiter des Lorenz-Böhler Krankenhauses. Zusätzlich zu seiner hervorragenden wissenschaftlichen und ärztlichen Karriere hat er sich auch im humanitären Bereich besonders verdient gemacht. - Während des Bürgerkrieges in Rumänien hat er eine große Hilfsaktion für Temeswar organisiert und in weiterer Folge dort ein Spital aufgebaut, das demnächst fertiggestellt werden wird. Von der Kongressorganisation wurde Prof.Poigenfürst ein Scheck über € 2.000,-- für sein Krankenhaus zur Verfügung gestellt. Außerdem gelang es Doz.Zöch zahlreiche Firmen für Sachspenden für das Krankenhaus zu gewinnen.  

Abb.: Übergabe der Urkunde an Prof. Poigenfürst

Zum korrespondierenden Mitglied wurde Prof. Dr. Salo aus Helsinki ernannt.

Jarmo Salo hat seine Ausbildung an der Universitätsklinik in Helsinki begonnen und ist derzeit Chef der Abteilung für Thorax- und Oesophaguschirurgie. Jarmo Salo hat sich schon sehr früh mit der Refluxkrankheit befaßt und hat wichtige grundlegende experimentelle Studien zum Thema Refluxoesophagitis durchgeführt. Später hat er sich insbesondere mit dem Barrettoesophagus und den positiven Aspekten aber auch den Gefahren der Antirefluxchirurgie befaßt. Jarmo Salo hat auf diesem Kongress die eindrucksvollen Ergebnisse einer Arbeit mitpräsentiert.

Den Abschluss des Kongresses bildete die Übergabe des Steuerrades an Prof. Gerd Szinicz, der die Jahrestagung 2003 in Bregenz ausrichten wird. Wir freuen uns schon auf Bregenz und wünschen Kollegen Szinicz viel Erfolg.

R.Schiessel, G.Zöch

Schlußansprache des Präsidenten anläßlich der 43.Jahrestagung
der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie
in Wien

INTERDISZIPLINÄRES MANAGEMENT

R.Schiessel

Dieses Leitthema soll uns daran erinnern, dass die medizinischen Fachdisziplinen in vielen Bereichen aufeinander angewiesen sind. Wir haben im Laufe des Kongresses zahlreiche hervorragende Beispiele von gutem interdisziplinären Management gesehen. Leider gibt es aber auch unzählige Negativbeispiele des interdisziplinären Managements.

Da gibt es einerseits das Übermanagement, d.h. Zuziehen von Spezialisten für jede Banalität auf Basis einer Absicherungsmedizin und andererseits ein interdisziplinäres Management in dem Sinn, dass die Chirurgie in jedem Falle nur als Ultima ratio angesehen wird, die nur dann zum Einsatz kommt, wenn alle anderen Methoden oder Möglichkeiten fehlgeschlagen haben. Da kann es schon einmal vorkommen, dass der Chirurg erst beim X-ten Rezidiv nach endoskopischer Blutstillung gerufen wird oder Carcinome im Gastrointestinaltrakt mittels unradikaler endoskopischer Mucosaresektion behandelt werden, aber erst einige Wochen danach zum Chirurgen geschickt werden, der dann die Abtragungsstelle nicht mehr identifizieren kann und somit eine radikale Nachoperation sehr problematisch wird.

Ein Negativbeispiel ist auch die Einbringung von definitiven Gallenstents bei ikterischen Patienten bevor die Operabilität geklärt ist und so ließe sich die Liste fachspezifisch beliebig fortsetzen.

Fest steht, dass in vielen Situationen nur durch eine gedeihliche Kooperation verschiedener Disziplinen ein optimales Ergebnis erzielbar ist. Aber nicht nur die Kooperation zwischen diagnostischen und therapeutischen Fächern, chirurgischen und konservativen Disziplinen, sondern auch die Kooperation der chirurgischen Fächer untereinander ist gefragt. Auch hier hat unser Kongress eine Fülle positiver Beispiele gezeigt.

Interdisziplinäres Management ist aufwendig und erfordert natürlich beträchtliche ärztliche und pflegerische Ressourcen. Denken Sie nur an die Behandlung eines einzigen Patienten mit einem diabetischen Fuss, einer Erkrankung die mit dzt. 25000 Fällen in Österreich massiv im Zunehmen ist und große Ressourcen im stationären und ambulanten Bereich interdisziplinär bindet. Es wird notwendig sein, dass hier endlich von den Verantwortlichen Weichen gestellt werden für ein zeitgemäßes und von der Gesellschaft erwartetes Gesundheitswesen. Mit ständigem Einsparen, Deckeln und sonstigen restriktiven Maßnahmen werden wir diese Herausforderung der Zukunft nicht bewältigen können.

Diese Maßnahmen resultieren aus einer völligen Fehleinschätzung der Situation. - Die sogenannte "Kostenexplosion" ist nicht die Folge von Verschwendung, sondern einer Leistungsexplosion. Die Ursachen liegen im wesentlichen im medizinischen Fortschritt aber auch in der von der Ärzteschaft getragenen Steigerung der Effizienz durch extreme Verkürzung der Liegedauer in den Spitälern, besonders in den chirurgischen Fächern.

Andererseits werden die Sparpotentiale extrem überschätzt. - So betragen in den Spitälern die Medikamentenkosten nur 4 % der Gesamtkosten. Trotzdem werden gerade in diesem Sektor große Einsparungsmöglichkeiten erwartet.

Wir alle wissen, dass die Lebenserwartung steigt und wir in Österreich bereits im Jahre 2010 um etwa eine 1/2 Million mehr Personen über 65 zu erwarten haben und sich die Zahl der  >65jährigen bis zum Jahr 2040 verdoppeln wird, das sind dann 2,4 Millionen (Abb.). Allzu restriktive Gesundheitssysteme, wie bis vor kurzem in Holland und Großbritannien führen  nicht nur zu einer massiven Verschlechterung  der Versorgung, sondern führen auch zu einer rapiden Flucht qualifizierter Arbeitskräfte aus dem Gesundheitswesen. Aufgrund der langen Ausbildungszeiten ist ein solcher Verlust schwer im nachhinein zu kompensieren. 

Die Situation in Großbritannien ist derzeit so, dass trotz Erhöhung des Gesundheitsbudgets von 65,4 Milliarden Pfund auf 105 Milliarden  die Auswirkungen des Sparkurses dramatisch sind. - Es fehlen derzeit 2000 Consultants in den chirurgischen Fächern. Dies bedeutet, dass versucht wird, chirurgische Patienten im Ausland operieren zu lassen. Diesbezüglich wurde auch mit österreichischen Krankenhäusern Kontakt aufgenommen. Mit aufwendigen Programmen wird auch versucht, Fachärzte aus dem Ausland nach Großbritannien zu bringen. Tony Blair hat dafür den bekannten Kardiochirurgen Prof.Sir Magdi Yacoub mit der Leitung des International Fellowship Scheme betraut. Doch diese Maßnahmen greifen nur langsam und ändern wenig an der derzeit dramatischen Situation mit 1 Million Patienten auf der Warteliste!

Erste Anzeichen werden uns auch bereits aus der Bundesrepublik berichtet. 50 % der Absolventen medizinischer Hochschulen üben den ärztlichen Beruf nicht aus, 800 Ausbildungsstellen für Chirurgie können derzeit nicht besetzt werden.

Die Ärzteschaft ist daher aufgerufen, sich gegen Restriktionen zu wehren. Nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch im Interesse eines funktionierenden Gesundheitswesens.

Prim.Univ.Prof.Dr.Rudolf Schiessel (Präsident der ÖGC 2001/02)
Donauspital im SMZO
Chirurgische Abteilung
Langobardenstraße 122
A-1220 Wien

Fon 0043/1/28802-3302
Fax 0043/1/28802-3380
E-Mail: rudolf.schiessel@smz.magwien.gv.at


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