44. Österreichischer Chirurgenkongress

Österreichische Gesellschaft für Chirurgie und assoziierte Fachgesellschaften

19. - 21. Juni 2003
Bregenz, Österreich

Der 44. Österreichische Chirurgenkongress

Für die Organisatoren des diesjährigen  Österreichischen Chirurgenkongresses in Bregenz -  Prof. Dr. Gerhard Szinicz, Kongresssekretär Dr. Siegfried Beller und Frau Sieglinde Gsöllradl (Pflegesymposium) - stand wegen der neuen Produktion der Bregenzer Festspiele („West Side Story“) kein optimal geeigneter Veranstaltungsort in Form eines Kongresszentrums zur Verfügung. Sämtliche Räumlichkeiten des Kongress- und Festspielhauses wurden für die Proben benötigt. Daher musste improvisiert werden. Langwierige Verhandlungen waren erforderlich, um die Veranstaltung in der Landeshauptstadt zu ermöglichen. 6 Gebäude im Zentrum von Bregenz mussten gemietet werden. Zusätzlich wurden auf dem Karl-Tizian-Platz drei klimatisierte Zelte mit einer Gesamtfläche von 650 m2 für die Industrieausstellung errichtet. Entsprechend aufwändig waren die diversen Genehmigungsverfahren und die Einrichtung der großteils nicht vorhandenen Infrastruktur – von den verschiedenen polizeilichen Genehmigungen über die Energieversorgung bis zu Wachdienst und Wegweiser, um nur einige wenige Probleme zu erwähnen.

Trotz dieser schwierigen Voraussetzungen konnte der Kongress planmäßig in einem ungewohnten aber dafür „familiären“ Ambiente, vom 19. bis 21. Juni 2003 im und um das Kunsthaus Bregenz (KUB) durchgeführt werden. Die Einschränkungen wie beispielsweise Größe und Klimatisierung einiger Hörsäle wurden – so hoffen wir – durch Attraktionen wie das KUB und das KUB-Cafe und durch die Topografie „in Seenähe und doch mitten in der Stadt“ wettgemacht.

Der wissenschaftliche Beirat hat aus den eingereichten Arbeiten 365 Vorträge und 79 Posterpräsentationen ausgewählt. Zusätzlich wurden 25 Gastreferenten zu Vorträgen eingeladen und 59 Sitzungen zu je 90 Minuten geplant. In bis zu 7 Räumen fanden Vorträge statt, dazu kamen noch ein Saal für das Pflegesymposium und 2 Workshopräume.

Fast alle Sitzungen standen unter dem Kongress-Motto „Neue Techniken – Alte Qualitäten“:

Einerseits wurden chirurgische, endoskopische und diagnostische Verfahren vorgestellt und diskutiert, die seit Längerem etabliert und standardisiert sind, jetzt aber mittels neuer Techniken und Technologien durchgeführt werden können. Das Spektrum reichte von der    Viszeralchirurgie bis hin zu Eingriffen an Herzklappen und Herzkranzgefäßen die heute minimal-invasiv durchgeführt werden können. Erfahrungen mit der Anwendung modernster Technologien, die z.B. bei der Gewebetrennung und Blutstillung, bei der Behandlung von Aortenaneurysmen mittels Stents und in vielen weiteren Fachgebieten zur Verfügung stehen, wurden vorgestellt und diskutiert.

Erwartungsgemäß wurde der Onkologie wie zum Beispiel der Sentinel-Lymphadenektomie aber auch der experimentellen Onkologie größtes Interesse entgegengebracht.

Besonders zukunftsweisend waren Vorträge zu Themen wie Gewebekultivierung als Vorstufe für künstliche Organe, Transplantationschirurgie und Implantologie in vielen Disziplinen.

Auch bei der Organisation und Durchführung des Kongresses wurden - dem Motto entsprechend - innovative Wege beschritten: Es gab keine konventionellen Dia- oder Overhead-Projektionen, sondern ausschließlich EDV-gestützte Präsentationen, die Datenübermittlung in die Hörsäle erfolgte über ein Wireless-LAN. Über den Stand der Vorträge in den einzelnen Sälen konnten sich die Kongressteilnehmer an zentral angebrachten Plasma-Bildschirmen informieren. All diese innovativen Aktivitäten wurden mit Unterstützung der Firmen Siemens und Wolf-Vision mit Professoren der Fachhochschule Dornbirn geplant und mit Studenten dieser Fachhochschule umgesetzt. Fachkompetenz und beispielhafte Motivation waren kennzeichnend für diese Zusammenarbeit.

Im Rahmen der Festsitzung wurden Prof. Dr. Ernst Bodner / Innsbruck zum Ehrenmitglied und Prof. Dr. Klaus Schönleben / Ludwigshafen zum Korrespondierenden Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie ernannt.

Die Österreichische Gesellschaft für Kinderchirurgie ernannte Frau Prof. Dr. Gesine Menardi / Innsbruck zum Ehrenmitglied. Die von dieser Gesellschaft an Herrn Prof. Dr. Peter Wurnig / Wien verliehene Ehren-Medaille konnte wegen einer Erkrankung des zu Ehrenden nicht persönlich übergeben werden.

Die Arbeitsgemeinschaft für Chirurgische Onkologie würdigte Herrn Prof. Dr. Wolf Fasching / Wien für dessen Verdienste um die Gründung dieser Gesellschaft vor 20 Jahren.

Weitere Höhepunkte waren die Festvorträge von Dr. Erhard Busek: „Wie viel Gesundheit braucht Europa?“ und von Prof. Dr. Raimund  Margreiter: „Grenzen der Chirurgie am Beispiel Transplantation“.

Neben der Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Hernienchirurgie ist die Aufnahme der Gesellschaft für Implantologie und Gewebeintegrierte Prothetik in unsere Gesellschaft bemerkenswert.

Im Vorfeld des Chirurgenkongresses fanden die gesetzlich vorgeschriebene und gleichzeitig die letzte freiwillige Facharztprüfung statt. Dass alle KandidatInnen diese aufwändige praktische und theoretische Prüfung bestanden haben, kann als Maßstab der Qualität der chirurgischen Ausbildung angesehen werden, umso mehr als keiner der KollegInnen die Prüfung mit einem Ergebnis im „bedrohten“ Punktebereich bestand.                  

1084 Teilnehmer (821 aus Österreich, 164 aus Deutschland, 79 aus der Schweiz und 20 aus anderen Nationen) besuchten die Veranstaltung der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie im äußersten Westen, 42 Sponsoren unterstützten uns.

Besonderes Sponsoring wurde uns durch den „Wettergott“ gewährt, von dem nicht nur der Kongress selbst, sondern insbesondere auch die beiden Gesellschaftsabende profitierten. Jene, die diese Gesellschaftsveranstaltungen besucht haben und unter anderem die Gelegenheit hatten die Bregenzer Seebühne unter Probenatmosphäre und vereinzelte Episoden aus der Welt der „West Side Story“ zu erleben, werden vielleicht noch einmal nach Bregenz zurückkehren um einer der attraktiven Vorstellungen beizuwohnen.

Dem einen und anderen in besonderer Erinnerung geblieben sind sicherlich auch die Schifffahrt über den Bodensee nach Friedrichshafen und der besonders attraktive Abend „Fly High“ im Zeppelin-Hangar.

Prof. Dr. G. Szinicz     
Kongresspräsident    
Dr. S. Beller
Kongresssekretär

Fotodokumentation des 44.Österreichischen Chirurgenkongresses

Kongressort: das Kunsthaus Bregenz
die Bregenzer Seebühne

der Kongresspräsident Prof. Dr. Gerhard Szinicz
der Kongresssekretär Dr. Siegfried Beller (links) mit Dr. Sebastian Roka
Herr Prof. Dr. Karl Dinstl mit Gattin beim Empfang des Präsidenten

Festvortrag von Herrn Dr. Erhard Busek im Rahmen der Eröffnung
gute Stimmung an Bord des Bodenseeschiffs Vorarlberg beim zweiten Teil der Eröffnung
Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Herrn Prof. Dr. Ernst Bodner
Herr Prof. Dr. Klaus Schönleben, Ludwigshafen, wird zum Korrespondierenden Mitglied ernannt
der Poster-Preis 2003 geht an Herrn Dr. Peter Kornprat (Mitte)
Förderpreis der European Surgery/ACA 2002 an Herrn Dr. Christoph Neumayer
Frau Prof. Dr. Gesine Menardi wird zum Ehrenmitglied der Österr. Gesellschaft für Kinder- und Jugendchirurgie ernannt
Würdigung von Herrn Prof. Dr. Wolf Fasching für seine Verdienste um die Gründung der ACO vor 20 Jahren
Fly High – Zeppelin-Rundflug für die Kongressteilnehmer
beim Gesellschaftsabend im Zeppelin-Hangar Friedrichshafen
Übergabe des Steuerrades an Herrn Prof. Dr. Michael Starlinger (Präsident des Kongresses 2004)

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