Schilddrüsen-OP: Stimmbandschonung wird immer wichtiger - Chirurgenkongress fokussiert auf Funktionserhaltung und Lebensqualität

Pressemeldung 19.06.2011

Rund 9.000 Österreicher unterziehen sich jährlich einer Schilddrüsenoperation, die damit zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen zählt. Ebenso bedeutend sind die Fortschritte, welche die Schilddrüsenchirurgie in den letzten 15 Jahren erzielte.

TrendsbeiErkrankungenderSchilddrüse - BeobachtungderStrumachirurgieüberdenZeitraumvon 30 Jahren

Univ.-Prof. Dr. Michael Hermann vom Kaiserin-Elisabeth-Spital hat die Schilddrüsenoperationen von drei Dekaden untersucht: „Die lückenlose Datendokumentation ermöglicht eine umfassende Analyse von 30.142 Schilddrüsenoperationen und beschreibt die Strumachirurgie über einen Zeitraum von 30 Jahren!" Die Entwicklung der Strumafrequenz mit Zunahme des Schilddrüsenkarzinoms, der Wandel des Krankheitsbildes „Struma" mit einer Zunahme des M. Basedow (Autoimmunhyperthyreose) und dem Rückgang der autonomen Überfunktion sowie der Fortschritt in der Diagnostik und Operationsverfahren sind hier wertvolle Erkenntnisse und Trends.

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In den letzten 20 Jahren hat sich der Focus auf die Verbesserung der Operationstechnik zur Reduktion eingriffstypischer Komplikationen konzentriert. Diese sind vor allem die  Stimmbandnervlähmung (Recurrensparese), die Nebenschilddrüsenunterfunktion (Hyporarathyreodismus) und die Nachblutung verbunden mit der Vermeidung von Rezidiven (Nachwachsen des Kropfes). Dies sind wichtige Verbesserungen, die heutzutage durch radikalere aber gleichzeitig vermehrt komplikationsanfällige Operationsverfahren erreicht werden können.

IntraoperativesNeuromonitoring

Unabhängig von Diagnose und Ausmaß des zu entfernenden Schilddrüsengewebes genießt heute bei diesen heiklen Eingriffen der Erhalt des Stimmbandnervs höchste Priorität. Dieser zarte Nerv verläuft beidseitig hinter der Schilddrüse und ist für den korrekten Verschluss der Stimmritze, also für den Beibehalt gewohnter Stimmbildung im Kehlkopf notwendig. „Bei unseren heutigen Operationstechniken legen wir den nicht immer einfach aufzufindenden Stimmbandnerv frei und entnehmen das Schilddrüsengewebe unter ständiger Sichtkontrolle des Nervenverlaufs." Zusätzlich wird an spezialisierten Zentren mittels Neuromonitoring die Unversehrtheit des Stimmbandnervs während des Eingriffes laufend überprüft. „So kann eine bleibende Stimmbandlähmung und eine daraus resultierende Heiserkeit bereits mit großer Sicherheit vermieden werden," erklärt der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie, Prim. Univ-Prof. Dr. Rudolf Roka.

PermanenteÜberwachungdesStimmnervswährendderOperation

Das kontinuierliche intraoperative Neuromonitoring dient als neue Methode zur permanenten Überwachung der Funktion des Stimmbandnervs (N. laryngeus recurrens). In einer Kooperation des Kaiserin-Elisabeth-Spitals in Wien mit der Universitätsklinik Leipzig wurde eine flexible, bipolare Elektrode entwickelt, welche, am Nervus vagus angelegt, mittels kontinuierlicher Impulse den Stimmbandnerv stimuliert und vokale und optische Signale sendet.

Mit dieser Methode werden intraoperativ laufend Informationen über den Funktionszustand des Stimmbandnerven und des Nervus vagus eingeholt, um hier als Frühwarnsystem eine drohende Nervenschädigung anzuzeigen. „Seit dem Einsatz des Neuromonitoring sind die Komplikationen vor allem bezüglich des Stimmbandnervs in den letzten 15 Jahren von 6,6 % auf 2,2 % zurückgegangen", zeigt sich Prof. Michael Hermann vom KES zufrieden. Vor allem bei Rezidivoperationen an der Schilddrüse wird durch diese Technologie sowohl das Auffinden und Präparieren als auch die Funktionsüberprüfung der Nerven gewährleistet.

ZunahmevonOperationenanderSchilddrüse

Trotz der 1963 gesetzlichen Einführung von jodiertem Salz als Prophylaxe von endemischem Struma stieg die Frequenz der Schilddrüsenoperationen an. Die verfeinerte Frühdiagnostik mit Ultraschall und verfeinerte Labordiagnostik tragen dazu bei, dass Erkrankungen der Schilddrüse bereits in einem frühen Stadium erkannt werden, vor allem die Diagnostik von Schilddrüsenkarzinomen. Im Ländervergleich Österreich-Großbritannien-USA kam es im Zeitraum 1983-2006 zu einer Zunahme von Neuerkrankungen durch Schilddrüsenkarzinom vor allem bei Frauen in den USA und bei Männern in Österreich um das Eineinhalb bis Zweifache.

Neue Aspekte zu Funktionserhalt und Lebensqualität bestimmen auch andere Themen des 52. Österreichischen Chirurgenkongresses (23. - 25. 6. in Wien-Messegelände). Dazu zählen u.a. Fortschritte bei minimalinvasiven Herzklappen-Operationen, beim Speiseröhren- und beim tiefsitzenden Mastdarmkrebs sowie das Neueste zu narbenfreien OP-Techniken, bei denen Österreich übrigens Nummer 1(!) in Europa ist.

Zum Österreichischen Chirurgenkongress werden rund 1.200 TeilnehmerInnen aus Zentral- und Osteuropa erwartet.  www.chirurgenkongress.at

Fotos:

Univ.-Prof. Prim. Dr. Rudolf Roka, Präsident der ÖGC und Kongresspräsident

(Credit: KH Rudolfstiftung-Wien)

Univ.-Prof. Prim. Dr. Michael Hermann, Vorstand d. Chirurg. Abteilung, Kaiserin Elisabeth-Spital Wien (Credit:

Grafik: Prinzip d. intraoperativen Neuromonitoring (Credit: Springer Wien New York)

Foto: Pat. mit Struma (Credit: Springer Wien New York)

 


Pressekontakt/Rückfragehinweis:
ConsuMED - Marketing und Public Relations  e.U.
Mag. Karin Hönig-Robier, Vilma Gurresch, MAS
T: 01-4702526, M: 0664-2125394,
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