Ösophaguskarzinom: Genetische Veränderungen berücksichtigen! Die Österreich weite Pancho-Studie zeigt die Richtung für das chirurgisch-onkologische Behandlungskonzept der Zukunft auf.

Pressemeldung 25.05.2011

 

 

Bisheriger Status: Note unbefriedigend

 

Das Ösophaguskarzinom zeichnet sich durch eine besonders schlechte Prognose aus - die 2 -Jahres Überlebensraten liegen um die 20%. Zwar konnte in den letzten Jahren die perioperative Mortalität durch chirurgisch-technische und anästhesiologisch-intensivmedizinische Fortschritte massiv reduziert werden, jedoch hat dies nur einen geringen Einfluss auf die Senkung der Gesamtsterblichkeit.

 

Die Gesamtmortalität wird von der Tumoraussaat bestimmt. Studien zeigen, dass weder postoperative - adjuvante- Chemotherapie noch Strahlentherapie effektiv sind. Wendet man diese Verfahren präoperativ -neoadjuvant- an, zeigt sich ebenfalls kein signifikanter Vorteil gegenüber den alleinigen chirurgischen Verfahren.

 

Lediglich 10-15% der Patienten zeigen ein ausgezeichnetes Ansprechen auf die derzeitige präoperative Standardchemotherapie. Zu wenige um einen signifikanten Unterschied zu generieren. Allerdings findet sich bei dieser kleinen Gruppe von kompletten Respondern erstmals ein beträchtlicher Überlebensvorteil in der Größenordnung von mehreren Jahren bis hin zur Heilung.

 
 

Präoperative Therapie immer wichtiger

 

Strategie der Zukunft muss es daher sein, Ösophaguskarzinom-Patienten eine hoch wirksame präoperative Therapie anzubieten. Hochwirksame Substanzen sind jedoch nach wie vor nicht auf dem Markt. Ebenso wenig hat es sich bewährt, die Intensität der Standardtherapie zu steigern, da dies lediglich zu einer erhöhten Therapie assoziierten Mortalität, nicht aber zu vermehrtem Ansprechen führt.

 
 

Das p53-Gen und seine Bedeutung

 

Wir verfolgen erstmals in einer klinischen Studie die Hypothese, dass das Ansprechen auf bestimmte Substanzgruppen von einem Gen - dem p53 Gen - wesentlich beeinflusst wird, welches bei bösartigen Tumoren häufig mutiert ist.

 

In einer Österreich weiten Studie werden operable Ösophagus-Patienten zunächst auf diese genetische Veränderung im Tumor getestet, und erhalten anschließend, randomisiert, eine präoperative Chemotherapie. Von den zwei randomisiert angebotenen Substanzen hat sich in einer Pilotstudie eine als hochwirksam bei p53 normalen Tumoren und die andere als hochwirksam bei p53 mutierten Tumoren erwiesen.

 
 
 

Bisherige Studiendaten sind vielversprechend

 

Die PANCHO Studie -p53 adaptierte neoadjuvante Chemotherapie bei operablen Ösophaguskarzinom-Patienten - läuft seit 2007 Österreich weit in 13 Zentren höchst erfolgreich und steht unmittelbar vor Beendigung der Rekrutierungsphase. Es ist gelungen, mehr als 40% aller in Österreich in Frage kommenden Patienten in diese attraktive akademische Studie einzuschließen. Erstmals steht dabei die Interaktion zwischen dem genetischen Marker p53 und dem Ansprechen auf Chemotherapie im Mittelpunkt einer klinischen, prospektiv randomisierten Studie (im Gegensatz zu dem bisher üblichen Vergleichen von zwei unterschiedlichen Therapien).

 

Die bisherigen Daten lassen extreme Verbesserungen im Gesamtüberleben durch hohe Ansprechraten erwarten.

 
 

Nicht die Dosis, sondern die selektive Auswahl der Substanzen zählt

 

Das chirurgisch-onkologische Behandlungskonzept der Zukunft basiert auf einer hocheffektiven präoperativen Chemotherapie.

 

Die hohe Wirksamkeit wird dabei nicht durch neue oder stärkere Substanzen sondern durch die individuelle, selektive Auswahl der Substanzen erreicht, z.B. basierend auf dem p53 Gentyp des Tumors.

 

Beim Ösophaguskarzinom könnte die tumoradaptierte, präoperative Therapie dazu führen, dass sich die gelungene Operation auch in einem verbesserten Gesamtüberleben manifestiert.

 
 
 
 
 

Zur Verfügung gestellt von: Univ.-Prof. Dr. Daniela Kandioler, MBA, Fachärztin für Allgemein-, Thorax- und Gefäßchirurgie an der Medizinischen Universität Wien (Universitätsklinik für Chirurgie). Sie wird anlässlich des 52. Österreichischen Chirurgenkongresses (23. - 25. 6. in Wien) über die neuesten Erkenntnisse im Rahmen der Pancho-Studie referieren.

 

 

 

 
 
 
 

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Mag. Karin Hönig-Robier, Vilma Guresch, MAS
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