Speiseröhrenkrebs: Perspektiven werden besser - Regelmäßige Kontrolle und multimodale Behandlungskonzepte erhöhen die Überlebensrate
 

Pressemeldung 25.05.2011

 

 

 
 
 

Bereits jedem Dritten stößt es hierzulande hin und wieder sauer auf, doch die wenigsten nehmen ihren Reflux ernst genug. Dabei wäre ein aufmerksamerer Umgang mit dem lästigen Aufstoßen und den oft auftretenden Begleitsymptomen wie Heiserkeit und Husten durchaus angebracht. Denn im schlimmsten Fall kann durch den ständigen Reiz der Magensäure auf der Schleimhaut eine spezielle Art von Speiseröhrenkrebs entstehen. Die Zahl dieser Krebsfälle ist seit den späten 70er Jahren weltweit um 350 Prozent (!) gestiegen.

 
 

50-faches Krebsrisiko

 

Der Grund: die ständige, zurückfließende Magensäure, bei manchen Betroffenen auch mit Gallensaft vermischt, baut die Innenauskleidung im unteren Bereich der Speiseröhre um. Das führt zum Wachstum bestimmter Krebszellen. Eine solche Schleimhautumwandlung ist bei rund 15% aller von Sodbrennen Geplagten der Fall. „Diese haben das 50-fache Risiko, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken. Daher sollten sich betroffene Patienten regelmäßig mittels Gastroskopie untersuchen lassen, um verdächtige Areale rechtzeitig identifizieren zu können", warnt der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie (ÖGC), Primarius Univ.-Prof. Dr. Rudolf Roka von der Wiener Rudolfstiftung.

 
 

Bei Sodbrennen regelmäßige Kontrollen!

 

Wird bei einer derartigen Kontrolle Speiseröhrenkrebs in frühen Stadien entdeckt, sind Heilungs- und Überlebenschancen heute gut. In ganz besonders frühen Fällen, bei denen nur die innerste Schicht befallen ist, können die krankhaften Veränderungen während einer Gastroskopie endoskopisch ausgeschält werden. Das erfordert neben einem erfahrenen Chirurgen-Team auch besonders empfindliche Instrumente, die eine genaue Identifizierung der Schichten mittels Ultraschall zulassen. „Allerdings können in diesem Stadium bereits Metastasen vorhanden sein. Übersieht man diese und behandelt nur lokal, kann es zu Rezidiven kommen", warnt Univ.-Prof. Dr. Thomas Schmid von der Innsbrucker Universitätsklinik.

 
 

So wird die Speiseröhre ersetzt

 

Treten bereits regelmäßige Schluckstörungen oder gar zunehmende Schluckunfähigkeit auf, besteht umgehender Handlungsbedarf. Bestätigt sich die Diagnose, ist in fortgeschritteneren Stadien eine Teil - oder Totalentfernung unumgänglich. Um den Tumor zu verkleinern und die Überlebensrate zu steigern, bewährt es sich immer mehr, im Vorfeld der Operation eine gezielte Strahlen- und Chemotherapie anzusetzen.

 

Die Operation selbst ist im Regelfall ein so genannter „Zweihöhlen-Eingriff" im Bauch-und Brustraum. Die Wiederherstellung der Speiseröhre erfolgt zumeist mit dem Magen, in selteneren Fällen mit dem Dickdarm. Dabei wird der erkrankte Teil der Speiseröhre entfernt, anschließend der Bauchraum geöffnet und der Magen zu einem längeren Schlauch geformt, um die Speiseröhre zu ersetzen. Da derartige Tumore früh zu Metastasen neigen, ist es auch nötig, das die Speiseröhre umgebende Lymphgewebe mit zu entfernen. Vielversprechende Erfolge in punkto Überlebensrate zeichnen sich in den USA bereits dort ab, wo man dabei minimal-invasive Zugangswege wählt.

 
 

Quantensprünge bei der Lebensqualität

 

Der Eingriff gilt nach wie vor als belastend und setzt entsprechende Vorbereitung und guten Allgemeinzustand des Patienten voraus. Prof. Roka: „Allerdings sind heute gegenüber früheren Zeiten geradezu Quantensprünge bei den Resultaten festzustellen: Bessere Blutstillungs- und Nahttechniken haben uns neue, chirurgische Techniken ermöglicht. Moderne Zugänge, Standardisierung und die erweiterten Möglichkeiten in Anästhesie und Intensivmedizin führen heute zu erstaunlich guten Ergebnissen für die Lebensqualität Betroffener." Voraussetzungen für die erfolgreiche Therapie dieses Leidens sind aber nach wie vor ein routinierter Operateur mit viel Erfahrung in der Tumorchirurgie und ein speziell trainiertes Team. Prof. Roka: „Dies ist auch wichtig im Sinne des Komplikationsmanagements, um bei Auftreten eines Zwischenfalls sofort notwendige, lebensrettende und richtige Maßnahmen ergreifen zu können".

 
 

Aktuelle Studie: Fachübergreifende Behandlung verbessert Überlebensrate

 

Wie sehr auch beim Speiseröhrenkrebs interdisziplinäre Zusammenarbeit die individuelle Überlebensrate erhöhen kann, zeigen die bisherigen Ergebnisse einer seit 2007 laufenden, österreichweiten Studie („Pancho-Trial") Im Zentrum derer steht ein bestimmter genetischer Marker, auf den die operationsvorbereitende Chemotherapie ganz individuell abgestimmt wird. „Es geht dabei nicht um stärkere Substanzen für den Patienten, sondern um eine individuelle, selektive Auswahl der richtigen, Tumortyp-gerechten Kombination. Die bisherigen Daten lassen extreme Verbesserungen im Gesamtüberleben durch hohe Ansprechraten erwarten", berichtet Frau Univ.-Prof. Dr. Daniela Kandioler von der Wiener Universitätsklinik für Chirurgie.

 
 

Mit diesen multimodalen Konzepten und modernen chirurgischen Techniken ist es gelungen, auch bei Speiseröhrenkrebs in vielen Fällen eine Heilung zu erzielen. Die 5-Jahres-Überlebensrate konnte in spezialisierten Zentren auf 60-80% gesteigert werden. Auch bei der Lebensqualität verzeichnet man erfreuliche Verbesserungen: „Die Schluckfähigkeit der aus dem Magen gebildeten, neuen Speiseröhre funktioniert nach Abschluss der Heilungsphase nahezu uneingeschränkt", berichtet Prof. Roka.

 
 

Neue chirurgisch-onkologische Konzepte in der Behandlung des Speiseröhrenkrebses sind Gegenstand der 1. Hauptsitzung beim 52. Österreichischen Chirurgenkongress in Wien (23. - 25. Juni 2011)

 

 

 

Foto: Prim. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Roka, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie (Credit: ÖGC)

 

 

 

 

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Mag. Karin Hönig-Robier, Vilma Gurresch, MAS
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