Ein "Schirm" rettet Leben - Auch Risikopatienten können heute- dank interventioneller Techniken - eine neue Herzklappe bekommen
Pressemeldung 31.05.2011

 

 

Die Lebenserwartung der Menschen nimmt erfreulicherweise zu - leider auch Erkrankungen des Organs, das sich ein Leben lang für uns bewegt - das Herz und seine Klappen.

 

Deren vollständige Funktion nimmt mit steigendem Lebensalter bekanntlich kontinuierlich ab. Patienten ohne schwere Begleiterkrankungen wurde bisher im Rahmen einer Operation am offenen Herzen und unter Zuhilfenahme einer Herzlungenmaschine durch das Reparieren oder Einbringen einer künstlichen Herzklappe geholfen. Schwerer hatten es Patienten, die neben einer unbefriedigenden Herzklappentätigkeit auch noch andere, die Operation und den Heilungsverlauf erschwerende Krankheiten aufwiesen. Ihre Therapie beschränkte sich im Wesentlichen auf die Einnahme von Medikamenten.

 

Minimal invasive Technik bringt maximalen Vorteil

 

Durch die in den letzten Jahren erzielten, enormen Fortschritte in der Herzchirurgie kann jetzt auch vielen Risikopatienten gut geholfen werden. Anstelle einer Operation am offenen Herzen gelingt es heute, mittels Katheter-unterstützter Technik über einen Zugang durch die Leistenarterie oder durch die Herzspitze selbst, eine Aortenklappenimplantation (TAVI = transcatheter aortic valve implantation) durchzuführen. „In die degenerierte, nicht mehr funktionsfähige Aortenklappe wird eine Klappenprothese implantiert, welche auf einem Stent fixiert ist und an der richtigen Stelle wie ein Schirm zur Entfaltung gebracht wird. Die neue Klappe übernimmt die Funktion der alten, welche einfach zur Seite gedrückt wird.", erläutert Univ.-Prof. Dr. Ludwig Müller von der Univ.-Klinik für Herzchirurgie in Innsbruck. Seine Abteilung nimmt seit Jahren eine europaweit anerkannte Führungsrolle in der Anwendung minimal invasiver Operationstechniken am Herzen ein.

 

Herzklappe kommt via Blutgefäß

 

Der große Vorteil der minimal invasiven Operationstechniken liegt in einer deutlich reduzierten Belastung für den Patienten. „Das, was nach einer Operation Schmerzen verursacht, ist die Operationswunde. Diese Wunde fällt bei traditionellen Herzoperationen sehr groß aus, bei minimal invasiven Eingriffen bleiben nur kleinste Narben", so Prof. Müller.

 

Noch schonender ist die seit kurzem eingesetzte Technik des perkutanen Aortenklappenersatzes. Dabei wird die neue Klappe in zusammengefaltetem Zustand durch ein Blutgefäß an ihren Bestimmungsort geschoben und dort wie ein Schirm „aufgespannt". Das Einsetzen wird mittels Herzultraschall über die Speiseröhre gesteuert und überwacht.

 

„Die Zukunft von Herz-Operationen liegt sicher in der Verminderung des Operationstraumas." Dass sich Patienten nach einem Transkathetereingriff oder nach einer minimal invasiven Herzoperation schneller erholen als nach einem konventionellen Eingriff zählt für Prof. Müller zu den größten Vorteilen der neuen Techniken. Vor allem hochbetagten Patienten jenseits der 80 könne, so Prof. Müller, damit geholfen werden.

 

Parallel zu den beschriebenen TAVIs wurden zuletzt sogenannte „sutureless" Klappenprothesen entwickelt. Erste Studienergebnisse liegen vor und erscheinen adäquat, die Klappen kommen jetzt auf den Markt. Ihr Vorteil: Sie sind einfacher und schneller zu implantieren und verringern somit die Operationszeit.

 

Ermutigende Studien

 

Aktuelle Studien (Partner Studie Cohort A und Cohort B - The New England Journal of Medicine) bestätigen, dass inoperable Patienten durch die oben beschriebene TAVI-Technik eine deutlich bessere Prognose haben als mit rein medikamentöser Therapie. Weiters zeigte sich, dass es Hochrisikopatienten mit einer interventionellen Therapie gleich gut geht wie nach einem chirurgischen Klappenersatz. „Das bestätigt den Erfolg des operativen Herzklappenersatzes selbst bei den schwerst kranken Patienten," unterstreicht Prof. Müller.

 

Grenzen der Behandlung

 

Langzeitergebnisse liegen naturgemäß derzeit nur eingeschränkt vor. Als Komplikation gilt ein leicht erhöhtes Schlaganfallrisiko. Neben der Klappenprothese können Undichtigkeiten auftreten, die einen Schrittmacher nötig machen. Implantationen und auch die Haltbarkeit der neuen Bioprothesen (Klappen) sind derzeit naturgemäß weder mittelfristig noch langfristig erfasst.

 

Dermaßen hochspezialisierte Herzoperationen erfordern eine ganz enge Zusammenarbeit und gleichzeitige Anwesenheit von Herzchirurgen und darauf spezialisierten Kardiologen sowie eines auf Herzchirurgie spezialisierten Narkosearztes. Auch die Installierung eines adäquaten Operationssaals hält Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Tschelliessnigg, Leiter der Klin. Abteilungen für Herzchirurgie und Transplantationschirurgie der Univ.-Klinik Graz, für unerlässlich: „Der multifunktionale Therapieraum wird in Zukunft in der Integration von minimalinvasiver Operation mit hochauflösender Bildgebung in einer sterilen Umgebung bestehen und der OP-Saal der Zukunft sein!"

 

Der aktuelle Stand dieser und weiterer, aktueller Entwicklungen in der Herzchirurgie wird Gegenstand mehrerer Sitzungen beim 52. Österreichischen Chirurgenkongress (23. - 25. Juni in Wien) sein.

 

Foto Credits:

 

Univ.-Prof. Dr. Ludwig Müller (privat)

 

A. Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Tscheliessnigg (privat)

 

Ewards Sapien Transkatheterklappe (Univ.-Prof. Dr. Ludwig Müller)

 

Hybrid-OP (A. Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Tscheliessnigg)

 

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Mag. Karin Hönig-Robier, Vilma Gurresch, MAS
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