Patientensicherheit, Checklisten sind wichtig, aber nur ein Teilaspekt der Qualitätssicherung!

Pressemeldung 07.07.2010

Wie in fast allen österreichischen Medien berichtet, wurde im Krankenhaus St. Johann einer 91-jährigen Patientin versehentlich das falsche Bein abgenommen. Ein tragischer, zutiefst bedauernswerter Vorfall, der zu recht gründlich untersucht werden muss.

Operationschecklisten, wie sie von der Weltgesundheitsorganisation seit 2009 empfohlen werden, sollen das Risiko einer Patienten- oder Seitenverwechslung minimieren. Ob bei der Operationsvorbereitung der betroffenen Patientin eine derartige Operationscheckliste verwendet wurde, ist nicht bekannt. Wenn nicht, hätte dieser Irrtum möglicherweise verhindert werden können.

 In diesem Zusammenhang wird oft der Vergleich mit Checklisten, wie sie Piloten vor einem Flug „abarbeiten" gezogen. In beiden Bereichen stellen Checklisten einen „roten Faden" dar, der eine Tätigkeit unterstützt, der jahrelange Ausbildung und Training vorausgegangen sind. Im medizinischen Bereich gibt jedoch das perfekte „Abarbeiten" der Checkliste keinen Einblick über die korrekte Diagnostik, Operationsdurchführung oder auch Nachbehandlung. Checklisten können daher die Sicherheit nur in einem kleinen Teil des Behandlungspfades sicherstellen.

Um diesen Bogen zu spannen hat es im österreichischen Gesundheitswesen in den letzten Jahren eine Reihe von Initiativen gegeben, um optimale Qualität in der Chirurgie sicherzustellen:

 

  • Die abteilungsinterne Qualitätsarbeit ist zu einem ständigen Begleiter an chirurgischen Abteilungen geworden.
  • Die Österreichische Gesellschaft für Chirurgie (ÖGC) und der Berufsverband Österreichischer Chirurgen (BÖC) haben gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Qualitätssicherung im Gesundheitswesen (BIQG) seit 2006 eine österreichweite Initiative gestartet. Mit diesem Projekt wird möglicherweise erstmals eine vergleichende Qualitätsarbeit im Sinne eines „Benchmarking" möglich.
  • Durch die Einführung des Arbeitszeitgesetzes haben sich die Arbeitsbedingungen für Ärzte deutlich gebessert. Die erlaubte Wochenarbeitszeit wurde dadurch auf höchstens 72 Stunden begrenzt und die durchgehende Arbeitszeit darf 48 Stunden (einen Wochenenddienst) nicht überschreiten. Damit wird die Gefahr von Übermüdung möglichst hintangehalten.
  • Die Österreichische Gesellschaft für Chirurgie hat bereits seit 1983 auf freiwilliger Basis eine Facharztprüfung am Ende der Ausbildungszeit angeboten. Diese ist seit 2006 zur Erreichung des Facharztdekretes verpflichtend.
  • Ärzte in Österreich sind per Gesetz zur kontinuierlichen Weiterbildung verpflichtet. Zur Erlangung des Fortbildungsdiploms der Österreichischen Ärztekammer ist alle drei Jahre ein Nachweis über den Besuch akkreditierter Fortbildungsveranstaltungen notwendig.
  • Die Einführung von Critical Incident Reporting Systemen (CIRS) erlaubt eine systematische Analyse von Zwischenfällen, die glücklicherweise folgenlos geblieben sind und ermöglicht es, Schwachstellen rasch zu identifizieren. Derartige Systeme wurden bereits von der Österreichischen Ärztekammer und einigen Krankenhausträgern implementiert.

 

Darüber hinaus bietet das österreichische Gesundheitswesen allen Bedürftigen Behandlung auf höchstem medizinischem Standard. Ein Ziel, das andere industrialisierte Länder noch lange nicht erreicht haben.

Die flächendeckende Einführung der Operationschecklisten ist sicher ein erster, wichtiger Schritt in Richtung Verbesserung der Patientensicherheit. Allerdings müssen weitere folgen. Es ist das höchste Interesse der ÖGC und des BÖC, im Sinne der österreichischen Chirurgenschaft weiterhin an der Verbesserung der Patientensicherheit und Qualitätssicherheit in der Chirurgie in Österreich zu arbeiten. Durch die Unterstützung der Gesundheitspolitik, Krankenhausträger und anderer Partner im Gesundheitswesen könnten diese Ziele rasch und effizient erreicht werden.

Bei Auftreten derartiger Komplikationen darf nicht übersehen werden, dass sich die Qualität der chirurgischen Therapie um Quantensprünge verbessert hat und Österreich nach wie vor im Spitzenfeld der europäischen Länder liegt.

Nähere Informationen:

ÖGC: Präsident 2009/10 Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Mühlbacher
Vorstand der Univ. Klinik für Chirurgie
Medizinische Universität Wien - AKH Wien
Tel: +43 1 40400 6896, +43 650 6125182
E-Mail: ferdinand.muehlbacher@meduniwien.ac.at

BÖC: Präsident Univ.-Prof. Dr. Sebastian Roka
Universitätsklinik f. Chirurgie
Medizinische Universität Wien
Tel: +43 1 40400 5621, +43 664 73563049
E-Mail: sebastian.roka@meduniwien.ac.at

 


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Mag. Karin Hönig-Robier
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